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Lärmschutz am Arbeitsplatz – Was ist zu beachten?

Schild mit LärmschutzsymbolLärm ist ein typischer Zankapfel zwischen Nachbarn. Sie kennen das: Was dem einen zu laut ist, ist dem anderen gerade recht. Am Arbeitsplatz allerdings gelten klare Regeln für die Vermeidung von Lärmbelastung für die Beschäftigten. Zu Recht, denn wer ständig Lärm und Vibrationen ausgesetzt ist, muss mit langwierigen Folgen rechnen.

Laut der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung ist Lärm „jeder Schall, der zu einer Beeinträchtigung des Hörvermögens oder zu einer sonstigen mittelbaren oder unmittelbaren Gefährdung von Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten führen kann.“

Zum Schutz der Beschäftigten vor Lärm bestehen mehrere Vorschriften, dies sind die wichtigsten:

  • LärmVibrationsArbSchV (Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung
  • TRLV Lärm (Technische Regeln zur Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung)
  • ArbStättV (Arbeitsstättenverordnung)


Was ist zu laut? Die Auslösewerte

In der LärmVibrationsArbSchV sind sogenannte Auslösewerte festgelegt. Diese Werte beziehen sich auf eine 8-Stunden-Schicht und dienen als Warngrenze, d.h. sobald sie überschritten werden, muss der Arbeitgeber handeln.

obere Auslösewerte LEX, 8h = 85 dB (A) bzw. LpC, peak = 137 dB (C)
untere Auslösewerte LEX, 8h = 80 dB (A) bzw. LpC, peak = 135 dB (C)

Tageslärmexpositionspegel
Spitzenschalldruckpegel

Sind die Beschäftigten / ist ein Beschäftigter also über einen bestimmten Zeitraum einem bestimmten Schalldruck ausgesetzt, wird ein Auslösewert erreicht. Die Nutzung von Gehörschutz wie z.B. Kopfhörern ist in den Auslösewerten nicht enthalten.


Die Gefährdungsbeurteilung

Der Arbeitgeber ist dazu verpflichtet eine entsprechend qualifizierte Person mit der Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung zu beauftragen. So wird festgestellt, ob und in welchem Ausmaß die Beschäftigten Lärm ausgesetzt sind, oder auch sein könnten.

Die Voraussetzung bzw. die entsprechende Fachkunde zur Durchführung dieser Gefährdungsbeurteilung ist im neuen DGUV Grundsatz 309-013 vom Oktober 2017 beschrieben („Anforderungen an Fachkundige für die Durchführung der Gefährdungs-beurteilung und für die Messung bei Vibrationsexposition nach §5 der Lärm- und Vibrations- Arbeitsschutzverordnung.“)

Die wichtigsten Punkte, die in einer Gefährdungsbeurteilung zur Lärmbelastung abgefragt werden sollten, sind ebenfalls in der LärmVibrationsArbSchV aufgeführt:

  • Art, Ausmaß und Dauer der Exposition durch Lärm,
  • die Auslösewerte nach § 6 Satz 1 und die Expositionswerte nach § 8 Abs. 2,
  • die Verfügbarkeit alternativer Arbeitsmittel und Ausrüstungen, die zu einer geringeren Exposition der Beschäftigten führen (Substitutionsprüfung),
  • Erkenntnisse aus der arbeitsmedizinischen Vorsorge sowie allgemein zugängliche, veröffentlichte Informationen hierzu,
  • die zeitliche Ausdehnung der beruflichen Exposition über eine Achtstundenschicht hinaus,
  • die Verfügbarkeit und Wirksamkeit von Gehörschutzmitteln,
  • Auswirkungen auf die Gesundheit und Sicherheit von Beschäftigten, die besonders gefährdeten Gruppen angehören, und
  • Herstellerangaben zu Lärmemissionen

Sind die Beschäftigten Lärm ausgesetzt, darf der Arbeitgeber sie erst dann ihre Arbeit aufnehmen lassen, wenn eine Gefährdungsbeurteilung erstellt und die entsprechenden Arbeitsschutz-Maßnahmen ergriffen wurden.

Auslöser bzw. Ursachen für Lärm unterscheiden sich je nach Arbeitsplatz, was im Büro der ständig laufende Drucker ist, entspricht vielleicht sogar dem Presslufthammer auf der Baustelle. Worauf es hier ankommt, ist die Dauer und die Intensität mit der die Beschäftigten dem Lärm ausgesetzt sind und, nicht zuletzt, der messbare Dezibel-Wert.

Die BG Bau beispielsweise listet folgende Lärmquellen an Baustellen auf:

  •  Abbrucharbeiten mit Abbau- und Bohrhämmern sowie Baggern mit Meißeleinrichtungen
  •  Naturstein-, Beton- und Betonwarenbearbeitung mit stationären Maschinen, Handmaschinen und Geräten, z. B. Steinsäge, Fugenschneider
  •  Holzbearbeitung mit stationären Maschinen und Handmaschinen, z. B. Baustellenkreissägemaschine, Hobelmaschine, Kettensäge
  •  Metallbearbeitung, z. B. Richten, Schmieden, Schleifen mit dem Winkelschleifer
  •  Oberflächenbearbeitung, z. B. mit Strahlverfahren oder Nadelpistole
  •  Flammstrahlarbeiten
  •  Arbeiten mit oder in unmittelbarer Nähe von durch Verbrennungsmotor angetriebenen Maschinen älterer Bauart
  •  Ein- und Ausschalarbeiten, Schalungsreinigung
  •  Befestigungsarbeiten, z. B. mit Schlagbohrmaschinen sowie Bolzensetz- und Nagelgeräten
  •  Betonverdichtung mit Außenrüttlern oder Rüttelbohlen, z. B. im Fertigteilwerk bzw. Straßenbau
  •  Führen des Spritzkopfes bei Betonspritz- und Verputzarbeiten
  •  Verbauarbeiten im Kanalbau, z. B. Ein- und Ausbau der Spreizen und Spindeln durch Hammerschläge
  •  Rammarbeiten, z. B. mit Schlagrammen
  •  Rohrvortrieb im Schlagverfahren mit Bodendurchschlagraketen
  •  Arbeiten an und mit Bodenverdichtungsgeräten, z. B. Explosionsstampfern, Rüttelplatten, Vibrationswalzen
  •  Alle Arbeiten in unmittelbarer Nähe von Bohreinrichtungen und Maschinen zur Herstellung von Schmal- und Schlitzwänden
  •  Straßenbauarbeiten in unmittelbarer Nähe von Beton- und Schwarzdeckenfertigern sowie Straßenfräsen
  •  Gleisbauarbeiten
  •  Tunnelbauarbeiten

Hinweis zur TRLV: Die Frist für die wiederkehrende Funktionskontrolle für Gehörschutz-Otoplastiken wurde auf maximal 3 Jahre verlängert. So kann die Funktionskontrolle mit der arbeitsmedizinischen Vorsorge zusammengelegt werden.

(Quelle: BG Bau, LärmVibrationsArbSchV, TRLV Lärm, ArbStättV)